• Sliderbild Soldatenkirche Sel. Engelbert Kolland, Belgier Kaserne, 8052 Graz, Steiermark
  • Sliderbild Militärpfarrkirche des Militärkommandos Wien, Militärkirche St. Johann Nepomuk, 1130 Wien, Wien
  • Sliderbild Erinnerungsdenkmal, Khevenhüller Kaserne, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, Kärnten
  • Sliderbild Stiftskirche, Stiftskirche, 1070 Wien, Wien
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  • Sliderbild Gedenkstein Jägerbataillon 26 und der Traditionsvereine, Türk Kaserne, 9800 Spittau an der Drau, Kärnten
  • Sliderbild Gedenkstein Fliegerschule und Fliegerregiment, Fliegerhorst Hinterstoisser, 8740 Zeltweg, Steiermark
  • Sliderbild Denkmal und Gedenkstein, Windisch Kaserne, 9020 Klagenfurt am Wörthersee, Kärnten
  • Sliderbild Fresken Außenseite, Amtsgebäude Stiftgasse, 1070 Wien, Wien
  • Sliderbild Gedenkstein 1967, Fliegerhorst Hinterstoisser, 8740 Zeltweg, Steiermark
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  • Sliderbild Enthüllung Gedenktafel "Bernardis-Schmid", 1090 Wien, Wien
  • Sliderbild Enthüllung Gedenktafel "General Spannocchi", 1070 Wien, Wien
  • Sliderbild Gruppenfoto MHDK und FBM
  • Sliderbild Ehrenhalle mit Ehrenmal ÖBH, Äußeres Burgtor / Österreichisches Heldendenkmal, 1010 Wien, Wien

Birago-Kaserne

Adresse der Liegenschaft 
Prinzlstrasse 22, 3390 Melk
Art der Liegenschaft 
Kasernen, Flugplätze, Kommandogebäude
Bezeichnung der Liegenschaft 

Birago-Kaserne (1913 - heute)

Geschichte der Liegenschaft

In der österreich-ungarischen Armee gab es 1909 in Summe 14 Sappeurbataillone, neun Pionierbataillone, ein Brückenbataillon und einen Flussminenzug. Da diese Kräfte in Bezug auf die Gesamtarmee als zu gering beurteilt wurden, war es ein dringendes Anliegen der Militärverwaltung, die Neuaufstellung und die Ausbildung von Pioniertruppen voranzutreiben. So suchte man nach neuen Garnisonen an der Donau, um hier die eigentliche Aufgabe der Pioniere, den militärischen Brückenbau und den Wasserdienst, entsprechend schulen und üben zu können.

In der Folge trat man an die Stadtgemeinde Melk heran, die sich sehr rasch bereit erklärte, den erforderlichen Grund zur Verfügung zu stellen. Die ebenfalls angefragten Konkurrenten Ybbs bzw. Pöchlarn gingen leer aus. Aufgrund der Pflicht zur Naturalbequartierung, durch welche die Stände und Gemeinden verpflichtet waren, in ihrer durch das Militär zur Garnison erklärten Stadt Soldaten unterzubringen, übernahm die Stadtgemeinde Melk auch die Finanzierung des Kasernenneubaus durch die Aufnahme eines Kredites – man hoffte, das Geld durch die Vergütungssätze des Ärars und die Mehrausgaben der hier bequartierten Soldaten hereinbringen zu können.

Mit der Planung wurde das damals sehr bekannte Wiener Architekturbüro Theiß & Jaksch beauftragt, das kurz zuvor auch die Artilleriekaserne in Wr. Neustadt entworfen hatten. Als Bauplatz wurde ein erhöhtes Areal im Süden der Stadt ausgewählt, welches genau gegenüber dem - Melk seit vielen Jahrhunderten dominierenden - Stift lag. Der Entwurf geht differenziert auf dieses Spannungsverhältnis ein und definiert selbstbewusst die damals starke gesellschaftliche Position des Militärs in Österreich.

Nach mehreren Umplanungen erfolgte der Spatenstich schließlich im Juni 1912, bereits im Mai 1913 marschierte ein Pionierbataillon, aus Theresienstadt kommend, in Melk ein. Da die Kaserne aber noch nicht fertig war, wurde die Mannschaft provisorisch im alten Brauhaus untergebracht, die Offiziere wurden in Privatunterkünften versorgt. Erst Ende 1913 konnte die neue - und bereits ab Beginn nach dem Pioniertechniker Karl Freiherr von Birago benannte - Kaserne besiedelt werden, die Übernahme durch die Bauverwaltung erfolgte überhaupt erst im Juni 1914. Die Truppe war vor allem von den vielfältigen Übungsmöglichkeiten am Wasserübungsplatz an der Donau begeistert.

Nach Abgang des Bataillons an die Front wurden in der Kaserne während des I. Weltkrieges Reservisten eingezogen und ausgebildet, zeitweise waren so bis zu 6.000 Mann hier zusammengezogen. Nach Zusammenbruch der Monarchie wurde hier zuerst ein Volkswehrbataillon aufgestellt, ab 1923 zogen wieder die Pioniere des neuen Österreichischen Bundesheeres hier ein, 1936 wurden dieses durch eine Kraftfahr-Pionierkompanie der Schnellen Division ergänzt.

Nach dem Anschluss Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland wurden auch die Melker Pionier in die Deutsche Wehrmacht eingegliedert und aus ihnen das Pionierbataillon 86 geformt. Im April 1944 wurde die Kaserne geräumt und zur Unterbringung von KZ-Häftlingen verwendet, die in den nahegelegenen Stollen des Wachbergs zur Produktion von kriegswichtigem Material eingesetzt waren. In diesem Außenlager des KZ Mauthausen waren zeitweise bis zu 14.500 Häftlinge in menschenverachtenden Verhältnissen untergebracht, 4.800 von ihnen starben oder wurden umgebracht. Nachdem die Toten zuerst nach Mauthausen zur Einäscherung gebracht wurden, ist im November 1944 ein eigenes Krematorium auf dem Kasernengelände errichtet worden. In diesem, bis heute im Originalzustand erhaltenen, Gebäude ist vor einigen Jahren eine Gedenkstätte eingerichtet worden.

Im Zuge des Einmarschs der Roten Armee am 8. Mai 1945 wurde Melk kampflos von der Deutschen Wehrmacht geräumt. Die Kaserne wurde fortan als Unterkunft für die Besatzungssoldaten, aber auch für - in Summe 70.000 - vertriebene Volksdeutsche aus den Ostgebieten vor ihrem Heimtransport verwendet. Da eine Wiedergründung eines österreichischen Bundesheers in weiter Ferne schien, wurden durch die Stadt Überlegungen zur Umgestaltung in ein Museum gewälzt, nach Verhandlungen mit den Sowjets konnten noch während der Besatzungszeit zwei Objekte für Wohnzwecke gewidmet werden.

Nach Abschluss des Staatsvertrages wurde die Kaserne sowohl von den Besatzungstruppen wie auch den zivilen Nutzern geräumt, seit 1956 ist hier durchgehend wieder ein Pionierbataillon stationiert. Da die Kaserne bis dahin im Besitz der Stadt Melk war, wurde sie 1962 um 11 Millionen Schilling an die Republik Österreich verkauft.

Seither ist viel Gerät für die Melker Pioniere angeschafft worden, die Infrastruktur hat damit aber nicht Schritt gehalten. Daher musste die teure Ausrüstung behelfsmäßig, in durch die Truppe selbst errichteten Flugdächern oder angemieteten Containern, gelagert werden. 2006 konnte eine im Raum stehende Schließung der Kaerne durch den klever eingefädelten Ankauf eines sieben Hektar großen Erweiterungsgeländes abgewendet werden, die Fertigstellung des Werkstätten- und Garagenbezirks verzögerte sich trotz vielfacher Vorstöße bis zur Freigabe der nötigen Budgetmittel dann nochmals bis Juni 2019.

Quellen

50 Jahre Pioniere in Melk, In: Beiträge zur Bezirkskunde Melk, Band 6 2006; Festschrift 30 Jahre Heerespionierbataillon Melk, BMLV 1986; Birago-Kaserne Melk, Entstehung und Geschichte, o.A, o.J.; K. Eder: Kaserne und Garnison Melk, Typoskript, Kultur- und Museumsverein Melk 1986; Aufzeichnungen HR Mag. G. Fritz; https://de.wikipedia.org/wiki/Birago-Kaserne

Namensgeber der Liegenschaft

Karl Freiherr von Birago

Karl Freiherr von Birago wurde am 24. April 1792 als Sohn des Gutsbesitzers Giacomo Antonio Birago und dessen Ehefrau Margherita Bosone in Cascina d‘Olmo bei Mailand geboren. Er erhielt zunächst an der Universität Pavia eine Ausbildung in Kartographie, die er wegen seiner mathematischen Begabung schon mit 17 Jahren abschließen konnte. 1812 trat er in die Militärschule zu Pavia ein. Nach Ende der Napoleonischen Ära wurde er in die österreichische Armee übernommen und an das militärisch-geographische Institut in Mailand kommandiert, wo er bis 1821 mit kartografischen Arbeiten, u.a. über die Schweizer Alpenpässe befasst war. Danach war er Mathematiklehrer an der von Radetzky gegründeten Pionier-Corps-Schule in Korneuburg.

Der damalige Waffenchef der Pioniere zog Birago bei der Entwicklung eines neuen, leichten Brückengerätes bei. Erzherzog Karl war von diesen Arbeiten so beeindruckt, dass er von ihm einen Vorschlag für ein einheitliches Brückengerät für die Pioniere und die Pontoniere ausarbeiten ließ. Diese lehnten die neuartige Erfindung aber zuerst ab, da sie von einem Kartographen stammte.

Erzherzog Maximilian holte Birago 1831 als Hauptmann zum Bau des von ihm geplanten Befestigungssystems nach Linz. Hier war Birago für die neue Lafettierung der, auf den maximilianeischen Türmen aufgestellten, Haubitzen verantwortlich. Im Jahr 1835 leitete er im Auftrag des Herzogs von Modena die Befestigungsarbeiten des Po-Übergangs bei Brescello. 1839 wurde seine Militärbrücke in Modena eingeführt und im Rahmen eines großen Manövers Vertretern aus ganz Europa vorgestellt. Nach dem Entwurf eines Studienplans für die neuerrichtete adelige lombardisch-venezianische Leibgarde wurde Birago 1840 Premierwachtmeister der Garde und 1841 ihr Oberst.

Im Jahr 1841 kehrte er nach Wien zurück und seine Konstruktion wurde in Österreich als Standardbrücke eingeführt (aber erst, nachdem der heftig dagegen opponierende, neue Waffenchef der Pioniere seines Postens enthoben und einer anderen Verwendung zugeführt wurde). Dieses Brückengerät blieb fast ein Jahrhundert im Stand vieler europäischer Armeen und wurde z.B. in der Schweiz erst im Jahre 1937 außer Dienst gestellt.

Seine Erfahrungen im Pionierdienst und im Brückenbau hat er auch in zwei Büchern schriftlich festgehalten. Er hat damit zu einer Zeit, als es noch keine technischen Hochschulen und keine systematische Forschung auf technischem Gebiet gab, wissenschaftliche Basisarbeit für den Brückenbau insgesamt geleistet.

1844 wurde ihm das Brigadekommando des ein Jahr zuvor vereinigten Pionier- und Pontonierkorps übertragen und er selbst in den Freiherrenstand erhoben. In diesem Jahr heiratete er auch Karoline von Hietzinger, die Tochter des Reichsrats Karl Freiherr von Hietzinger. Birago starb am 29. Dezember 1845 im Alter von nur 53 Jahren in Wien. Sein Grab befand sich ursprünglich am Sankt Marxer Friedhof, nach dessen Aufhebung wurde er in Ehrengrab auf den Wiener Zentralfriedhof verlegt.

Quellen

50 Jahre Pioniere in Melk, In: Beiträge zur Bezirkskunde Melk, Band 6 2006; https://de.wikipedia.org/wiki/Karl_von_Birago