Belgier-Kaserne

Standort 
Straßgangerstrasse 171, 8052 Graz

18,7 Hektar, eigener Eisenbahnanschluss, mit über 30 Objekten (Obj) die größte bebaute mil Anlage in Graz. Dazu gehört der seit 1869 vom Militär als Schießplatz genutzte Feliferhof.

Namensgeber

Erbaut 1939-1940 mit 8 Obj, erster Verband war das II. Ersatzbataillon/ Waffen SS Regiment "Der Führer", danach weitere SS-Ersatzeinheiten - daher während des 2. Weltkrieges auch der Name "SS- Kaserne". Vom 24.07.1945 bis 1955 hieß sie während der Britischen Besatzung nach dem General der 8. Britischen Armee "Hankesworth- Barracks".

Gem. Erlass zur Traditionspflege von 1967 erhielt die "Wetzelsdorfer-Kaserne" die Bezeichnung "Belgier-Kaserne". Damit sollte dem steirischen k.u.k. Infanterieregiment Nr.27 "König der Belgier" (IR27) ein würdiges Denkmal gesetzt werden. Denn ab 1853 waren die Belgischen Könige Leopold I., Leopold II. und Albert I. von Kaiser Franz Josef I. ernannte Regimentsinhaber (nicht zu verwechseln mit Regimentskommandanten). Angehörige des Regiments wurden daraufhin im Volksmund "Die Belgier" genannt und die Kaserne aus diesem Grund den Namen Belgier-Kaserne.

Da das IR27 immer das "Grazer Hausregiment" war, wurde es mit Erlass zum Traditionsverband des Landwehrstammregiments 54 und in weiterer Folge des Zentrum Internationale Kooperation bestimmt.

Geschichte des IR 27

Am 03.02.1682 wurde Obristleutnant Ottavio Conte Nigrelli von Kaiser Leopold I. mittels eines Bestallungsbriefes beauftragt ein Regiment zu Fuß zu gründen.
1683 gab es erste Einsätze gegen die Türken, vor allem in Ungarn. Im Winter 1699/1700 folgten erste Einquartierungen in der Steiermark. Danach eine Vielzahl an Schlachten unter berühmten Heerführern wie Prinz Eugen und Starhemberg als kaiserliche Infanterie, wie z.B. ab 1734 wieder gegen die Türken.
1770 erhielt das Regiment als "Ergänzungsbezirk" neben Marburg auch Graz, wo auch die "zentrale Stabsstation" festgelegt wurde.

Ab 1789 wurden im Rahmen der "napoleonischen Kriege" etwa 25 Jahre lang in ganz Europa, auch unter der Führung des Oberkommandierenden der Innerösterreichischen Armee, Erzherzog Johann, gekämpft. An der geglückten Verteidigung des Grazer Schlossberges 1809 gegen die Franzosen hatten Soldaten vom IR27 unter Major Hackher großen Anteil. Mit Ende der Herrschaft Napoleons bis 1848 erlebte die k.u.k. Armee eine relativ friedliche Epoche, in der das IR27 Garnison in den Städten der Monarchie machte. Darunter mehrmals in Graz.

Ab 1848 war das IR27, in der Armee Radetzkys, wieder in Gefechten in mehreren Gebieten des Vielvölkerstaates gegen den wachsenden Nationalismus eingesetzt. Als am 14.05.1853 König Leopold I. von Belgien Regimentsinhaber wurde, begann der Abschnitt als "Belgier". Berühmte Schlachten wie Magenta, Solferino, Oversee und Königgrätz wurden gefochten. Geschichtsträchtig blieb besonders der Name Herzog Wilhelm von Württenberg damit verbunden, welcher das IR27 als Kommandant zu einer Eliteeinheit der k.u.k. Armee formte und diese auch im Februar 1864 gegen die Dänen in die Schlacht von Oeversee führte.
In den darauffolgenden Friedensjahren von 1867 bis 1914 wurden mit wenigen kriegerischen Ausnahmen wieder die Garnisonen bezogen, wobei das IR27, mit ihrem Heimatkommando Graz, den Grazern besonders ans Herz wuchs.

Als im Sommer 1914 der I. Weltkrieg ausbrach, wurde das IR27 mobilgemacht und zum Kampf gegen die russische Armee eingesetzt, welcher sie jedoch trotz ihres Heldenmutes weitgehend unterlegen waren. Mit dem Eintritt Italiens 1915 in den Krieg verlegte das IR27 an diesen Kriegsschauplatz und nahm so an den berühmten Isonzo-Schlachten sowie 1916 an der Erstürmung des Monte Meletta teil. Da nach dem Abzug der "nichtdeutschen Heeresteile" die Armee und der Staat zusammenbrachen und die Wirren des Waffenstillstandes den Großteil des Regiments in italienische Gefangenschaft brachten, wurde am 03.11.1918 das k.u.k. IR27 aufgelöst.

236 Jahre kämpfte das IR27 auf vielen Schlachtfeldern Europas für Österreich, was der Mannschaft viele Orden und Auszeichnungen einbrachte. In Anerkennung dieser Leistungen gibt es in Graz noch heute viele Denkmäler und Straßennamen.

Namensgeber - die belgischen Könige

Leopold I. (1790-1865): Regimentsinhaber IR27 von 1853-1865, war nach der Unabhängigkeitserklärung Belgiens von den Niederlanden 1830 von 1831 bis 1865 der erste König von Belgien.

Leopold II. (1835-1909): Regimentsinhaber IR27 von 1865-1909, zeitgleich auch Belgischer König, galt als hervorragender Diplomat und Geschäftsmann. Er gründete, als Eigentümer, 1885 den Freistaat Belgich-Kongo in Afrika, wobei sich bis 1908 schrecklichste Gräueltaten an der einheimischen Bevölkerung ereigneten, welche schwer misshandelt und ausgebeutet wurde. Laut Schätzungen starben an die 10 Millionen Menschen unter der Herrschaft Leopolds, bis 1909 die Kolonie dem Belgischen Staat übergeben wurde.

Albert I. (1875-1934): Regimentsinhaber IR27 von 1909-1918, Belgischer König von 1909 bis 1934 pflegte gute Außenpolitische Beziehungen, lehnte jedoch zu Beginn des I. Weltkrieges den Durchmarsch der Deutschen kaiserlichen Armee durch Belgien ab und musste es so verteidigen. Während der Deutschen Besatzung setzte er sich mit den Resten seiner Armee in alliiertes Gebiet ab, wurde nach der Rückkehr als Held gefeiert, bildete eine Einheitsregierung und unterstützte dann den Aufbau Belgiens mit seinen Privatvermögen.